Imkern mit einer japanischen Bienenbeute

Beitrag bald hier zu lesen

Die Art mit einer japanischen Bienenbeute zu imkern ist mir das erste Mal in meiner Arbeitszeit in Japan begegnet.
Für mich ist das sehr bienenfreundlich und kommt dem natürlichen Bienenleben schon sehr nah.

Es unterscheidet sich aber sehr von der europäischen Art zu imkern und ist bei all meiner positiven Sichtweise auch mit einigen Schwierigkeiten behaftet.

 

Die Beute: Sie sind deutlich kleiner als unsere - es gibt allerdings kein wirklich festes Maß. Ich imkere mit der kleinsten. Die Zargen haben eine Seitenlänge von je 26 cm. Die Holzstärke sollte 27 mm nicht unterschreiten. Die Zargen der Beute liegen ohne Verzapfung oder Falz aufeinander auf.

Das Plus: 

  • Es ist eine einfache Bauweise, so dass die Beuten für halbwegs handwerklich talentierte Menschen in etwa einem halben Tag gebaut sind.
  • Für mich sind diese Beuten sehr handlich und auch volle Honigräume kann ich ohne übermäßigen Kraftaufwand tragen.

Das Minus:

  • Da die Zargen einfach aufeinandergestellt werden, muss man schon recht sorgsam sein. Sind sie erst einmal innen "verkittet" ist die Stabilität etwas besser.
  • Alternativ kann man die Zargen mittels Holzleisten miteinander verschrauben. Das ist zwar etwas Mehraufwand, zahlt sich aber aus.

Die Arbeitsweise: Die Bienen bauen in der Beute frei und ohne Rähmchen. Es entstehen im Laufe der Zeit wahre Kunstwerke. Manche Imker verbauen in den Zargen diagonal dünnen Querstreben, um dem Wabenwerk Stabilität zu geben. Aber auch hier gibt es keine einheitliche Bauart. Wie bei den Warré-Beuten werden auch bei den Japanischen neue leere Zargen unten auf den Einflugboden gestellt. So wandert die älteste Zarge bis zur Honigernte stetig nach oben.

 

Das Plus:

  • Die Bienen können ihren natürlichen Bautrieb ohne strukturelle Vorgaben frei ausleben. Zellengrößen und Verhältnis von Arbeiter- und Drohnenzellen werden entsprechend dem natürlichen Verhalten gebaut.
  • Der Einzug in eine neue Beute führt logischerweise zu einem Brutstopp und hemmt die Entwicklung der Varroamilbe.
  • Es gibt - bei ordentlicher Imkerpflege, keine Alt-Waben im Stock.
  • Durch die stetig nach oben wandernden Zargen hält sich der Varroabefall auch bei länger bewohnten Stöcken im Rahmen, da regelmäßig neue Brutnest gebaut werden.
  • Drohnen sind ein natürlicher Teil des Bienenvolkes und verbleiben bis zum "Rausschmiss" im Volk.
  • Der natürliche Schwarmtrieb ist Teil des Konzepts.
  • Da die Zargen nicht oben aufgesetzt, sondern unterhalb hinzugefügt werden, entweicht wenig Wärme.

Das Minus:

  • Eine Kontrolle des Volkes in der Beute ist kaum möglich. 
  • Die Behandlung des Volkes kann nur mit viel Aufwand betrieben werden und ist auch dann nicht so sorgfältig möglich, wie in einem
    Bienenstock mit Rähmchen.
  • Das Schwärmen der Bienen kann nicht verhindert werden. So geht manch Schwarm verloren.
  • Je mehr Honig eingelagert wird, umso schwerer ist es, durch das Gewicht, eine Leerzarge unterzusetzen. Das geht auch anfangs nur mit zwei Personen. Später hier hilft eine manuelle Hebevorrichtug, die allerdings recht teuer ist.

Honig ernten: Hier geht man völlig anders vor. Die oberste Zarge wird, wenn genügen Zargen aufeinander stehen, von außen beklopft, so dass die Bienen nach unten wandern. Im Gegensatz zu uns in Europa arbeiten die japanischen Imker selten mit Rauch, sondern mit einem kleinen Gebläse, ähnlich einem Föhn. Damit treibt man die Bienen weiter nach unten in den Stock oder vertreibt sie von den Zargen-Wänden.
Die verkittete Zarge, die man abnehmen möchte, wird mit einer Art schmalem, langen Spachtel (wie zum Torten bestreichen) ringsherum gelöst, um dann den Honigraum dazwischen mit einem dünnen Draht zu durchtrennen. So kann man die Zarge mit dem Honigraum danach abheben.

 

Das Plus:

  • Man braucht keine Rähmchen kaufen.
  • Das Drahten und Einlöten der Waben entfällt. Der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen, da da Säubern der Rähmchen entfällt.
  • Man kann wunderbaren Waben- oder Presshonig herstellen.

Das Minus:

  • Da nicht die Möglichkeit besteht die Waben wieder zu verwenden (wie beim Schleudern mit Rähmchen), bauen die Bienen stetig neue Waben.
    Dafür wird natürlich mehr Nektar benötigt, deshalb ist der Honigertrag geringerer als in herkömmlichen Beuten.
  • Ein Teil des Wabenwerkes wird zwangsläufig bei der Ernte zerstört. Dieses Wabenwerk wird von den Bienen repariert.
  • Es ist nicht möglich die Waben zu schleudern.

Mein Fazit

Nicht jeder ist von diesem Beutesystem begeistert. Wer auf Honigertrag setzt ist hier sicher falsch bedient. 

Für mich ist es eine sehr bienenfreundliche Art zu imkern, vorausgesetzt man nimmt den Mehraufwand für die Varroabehandlung auf sich.
Auch wenn das ein Wiederspruch zu sein scheint - ohne Varroabehandlung überleben die meisten Völker einfach den Winter nicht.
Dessen sollte man sich bewusst sein.

Wer in kleinem Rahmen möglichst naturverbunden imkern möchte, findet hier vielleicht seine Möglichkeit.

Aber auch hier gilt - ein "Bien" ist ein sehr komplexes Gesamtkonstrukt und auch wenn es vielleicht nicht in erster Linie um Honigerzeugung geht, so sollte doch zuvor ein Imkerkurs belegt werden. Im besten Falle hat man einen aufgeschlossenen Imker an seiner Seite, der mit Rat und Tat über die ersten Jahre hilft.


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