Wein will geschnitten werden - kräftig! Der größte Fehler ist es, ihn einfach wachsen zu lassen oder beim Winterschnitt nur zaghaft zurückzuschneiden - zumindest, wenn man Wert auf eine gute Ernte legt.
Wir haben zwei Rebstöcke. Einer steht am Garteneingang vor dem Haus. Wir ziehen ihn an einem waagerechten Spalier oberhalb des Gartentores die Mauer entlang. Die Ranken wickeln wir einfach um den Spanndraht, den wir angebracht haben und lassen die lange waagerechte Hauptrebe auch im Winter stehen. Hier wächst eine sehr süße, blaue, fast kernlose Datteltraube.
Die zweite Weinrebe berankt unseren Hänger Unterstand. Diese Rebe ziehen wir viertriebig auf verschiedenen Etagen. Die Ranken befestigen wir locker mit Bindedraht an dem Holzgestell. Diese Sorte ist eine süße, grüne Traube von der Mosel. Diese Rebe habe ich aus Stecklingen gezogen.
Wissen sollte der Gärtner, dass Wein, wenn er sehr sonnig steht, sehr wüchsig ist. Seine Blüten und Früchte bildet er an den neuen, diesjährigen Trieben. Deshalb kann Wein auch beim Winterschnitt stark eingekürzt werden. Zum Herbstschnitt gibt es zur entsprechenden Zeit einen separaten Blogbeitrag.
Jetzt im Sommer treibt der Wein sehr lange "Peitschen". Um große, süße Trauben zu erhalten, kürze ich diese ein, bis auf etwa 4 Blätter vor dem obersten Fruchtstand. Fruchtlose Triebe nehme ich gänzlich heraus, ebenso Fruchtstände, die sehr klein sind. Es reduziert zwar den Ertrag etwas, aber dafür werden die anderen Trauben auch wirklich reif. Bildet sich sehr viel Blattmasse entferne ich einen Teil, der sich rechts und links neben den Fruchständen befindet. Blätter oberhalb einer Traube lasse ich immer bis auf 4 oder fünf Blätter stehen. Sie sorgen für leichte Beschattung und sind für eine gute Versorgung der Früchte wichtig. Das Entfernen der restlichen Blätter und Triebe sorgt für eine gute Belüftung, weniger Schädlingsbefall und eine bessere Abtrocknung der Pflanze. Da Wein sehr zu Mehltau neigt, entferne ich ggf. auch mehrfach im Sommer Blätter.
Einige Gärtner propagieren das Ausbrechen der noch nicht verholzten Ranken. Ich habe bessere Erfahrung damit gemacht diese sauber mit einer scharfen Gartenschere bis an den Hauptstamm
herauszunehmen.
Letztes Jahr hatten wir schon viele Trauben, aber in diesem Jahr werden wir, wenn das Wetter passt, mit einer überreichen Ernte beschenkt. Nächstes Jahr versuchen wir einmal eine Miniproduktion
Wein zu erzeugen.
Versuch macht "kluch".
In diesem Spätsommer freuen uns schon auf leckere Weintrauben mit Käse. Hmmmm...

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